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„Wir sind Hinterbliebene“

Freitag, 27.03.2026. Wir sitzen mit der ganzen Klasse im Geschichtszimmer. Das Zimmer ist warm, jedoch nehmen wir die Wärme kaum wahr. Es liegt etwas Kühles und Bedrückendes in der Luft. Gespannt sitzen wir auf unseren Plätzen und lauschen den Erinnerungen der Auschwitz-Überlebenden Justin Sonder und Max Brudner, die uns von den Hinterbliebenen Kerstin Claus, Tochter von Justin Sonder, ihrem Ehemann und Hermann Brudner, Sohn von Max Brudner, erzählt werden.

Die vielen schlimmen Erfahrungen und Geschichten direkt von den Familienangehörigen zu hören, führte dazu, dass wir das Thema viel persönlicher und emotionaler wahrnahmen und kennenlernten, als wir es aus dem Unterricht kannten. Wir hörten historische Fakten, verknüpft mit eigenen Erlebnissen. Von den Geschichten der beiden Familien, über das Leben als Jude in Chemnitz bis hin zur Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz und der Befreiung vor dem Tod durch Kälte, Unterernährung, Krankheiten und körperlicher Erschöpfung.

Das Leben der Betroffenen von dessen Angehörigen zu hören, hat uns beeindruckt und uns zum Nachdenken gebracht. Denn es ging nicht nur um allgemeine historische Fakten, sondern um echte Schicksale, Gefühle und Erlebnisse, die bis heute nachwirken. Man hat gemerkt, wie stark die Erfahrungen der Eltern auch das Leben der nächsten Generation, also ihrer Kinder, geprägt haben.

Das Gespräch und die Fragerunde danach hat uns geholfen, die Geschichte besser zu verstehen und uns bewusster zu machen, welche Auswirkungen die NS-Zeit für viele verschiedene Menschen bis heute hat. Insgesamt war diese außergewöhnliche Geschichtsstunde eine besonders eindrucksvolle Erfahrung, welche uns zum Nachdenken angeregt hat und die wir nicht so schnell wieder vergessen werden.

Zum Ende wurde uns die Frage gestellt „Ob wir noch die Schuld an dem tragen, was damals passiert ist“. Die Antwort ist einfach und muss von jedem Einzelnen verstanden werden: Wir sind nicht daran schuld, aber WIR sind auch Hinterbliebene und dafür verantwortlich, dass das Geschehene nicht vergessen wird!


In einem gemeinsamen Mittagessen lobten die Gäste das Interesse der Schülerinnen und Schüler sowie ihre Aufmerksamkeit und Disziplin. Sie betonten, dass das IAJ Annaberg eine Heimstätte für das Erbe ihrer Väter sei (Anm. Wolfgang Langer).


Hannah Zimmermann, Klasse 12W FOS