In den letzten Wochen vor den Sommerferien fanden im Rahmen der Erzieherausbildung zwei besonders intensive und prägende Workshops statt, auf die wir an dieser Stelle rückblickend eingehen möchten. Beide Veranstaltungen gaben unseren angehenden Erzieherinnen und Erziehern nicht nur fachliche Impulse, sondern öffneten auch neue Perspektiven für ihre zukünftige pädagogische Arbeit.
Workshop „TextTäter – Literatur von Tätern und Angehörigen“ mit Ronny Ritze
Am 10.06.2025 in Annaberg-Buchholz und am 13.06.2025 in Marienberg war der Autor, Herausgeber und Schreibtrainer Ronny Ritze zu Gast, um in unseren Erzieherklassen von seiner Arbeit mit jugendlichen Strafgefangenen zu berichten. Er gewährte tiefe Einblicke in das Leben und die Gedankenwelt dieser herausfordernden Zielgruppe und machte den Auszubildenden deutlich, dass Empathie, Akzeptanz und Wertschätzung auch an einer Zellentür nicht automatisch enden. Ausdrucksstark und mithilfe von Originalmaterial aus der harten Lebensrealität am Rande der Gesellschaft erfuhren unsere Schülerinnen und Schüler etwas über den Abstieg aus schwierigen familiären Verhältnissen und nicht selten über die Sucht in den Strafvollzug. Geschichten aus erster Hand, die so wohl nur selten erzählt werden.
Rechte, Pflichten, gewaltfreie Kommunikation sowie Prävention kamen natürlich ebenfalls nicht zu kurz. Und auch, wenn Ritze Themen wie Straftaten, den Knastalltag, Abhängigkeit oder Gewalt aufgreift und hier an der einen oder anderen Stelle auch nicht auf Triggerwarnungen verzichten kann, geht es ihm weniger darum, seine Zuhörenden zu schockieren. Vielmehr möchte er eine klare Botschaft senden: Getreu dem Motto „wehret den Anfängen“ hätte eine frühzeitige, pädagogische Einflussnahme wohl so manchen Lebensweg positiv beeinflussen können. Und es sind nicht selten Erzieherinnen und Erzieher, die in Einrichtungen als erstes auf diese Kinder und Jugendlichen treffen und für deren typische Biografien mit all ihren Fallstricken sensibilisiert werden sollen. Ritzes Fazit für die Auszubildenden: „Ihr werdet diesen Menschen begegnen!“
Ein Format, das zum Nachdenken und Diskutieren einlud und sicherlich bleibenden Eindruck hinterlassen wird.
Workshop „Kindertrauerbegleitung“ mit Nina Rudolph
Im Rahmen der Erzieherausbildung fand am 13.06.2025 in der Klasse ERZZ 23 in Marienberg und am 16.06.2025 in der Klasse ERZ23 in Annaberg-B. ein intensiver Workshop, geleitet von Nina Rudolph (Kindertrauerbegleiterin) zum Thema Kindertrauerbegleitung statt. Ziel war es, angehende Erzieherinnen und Erzieher für den sensiblen Umgang mit trauernden Kindern und deren Umfeld zu sensibilisieren.
Zu Beginn wurde der Begriff Trauer definiert und in seiner emotionalen wie sozialen Bedeutung erarbeitet. Darauf aufbauend erfolgte eine Alterstypologie, die verdeutlichte, wie unterschiedlich Kinder in verschiedenen Entwicklungsphasen Trauer erleben, ausdrücken und inwieweit der Tod und dessen Endlichkeit verstanden wird. Ein zentraler Bestandteil war der Vergleich zwischen Kinder- und Erwachsenentrauer, wobei auf die besonderen Bedürfnisse und Ausdrucksformen von Kindern eingegangen wurde. In einer praktischen Übung zur Selbsterfahrung setzten sich die Teilnehmenden mit eigenen Trauererfahrungen auseinander und stellten dabei fest, dass alle Teilnehmer vor dem 12. Lebensjahr die ersten Trauererfahrungen gesammelt haben. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Kommunikation mit trauernden Kindern und deren Angehörigen. Hier wurden Möglichkeiten besprochen, wie man empathisch, altersgerecht und unterstützend in Gesprächssituationen agieren kann. In einer Gruppenarbeiten wurden Praxisbeispiele analysiert, um Handlungsstrategien für den pädagogischen Alltag zu entwickeln.
Ein Workshop, der sowohl fachlich als auch persönlich bereicherte und wichtige Kompetenzen für den verantwortungsvollen Umgang mit kindlicher Trauer vermittelte.
Texte: Dr. Nico Richter und Sophie Melzer (Schulleitungen), Julie Lorenz
Bilder: Sophie Melzer









